Auf dem Weg zum Bürgerbündnis

Aus dem Inhalt:

Vorwort

In der vorliegenden Broschüre werden sieben niedersächsische Bürgerbündnis- se vorgestellt, die sich in ihren Regionen für Demokratie, Vielfalt und Zivil- courage und gegen Rechtsextremismus engagieren. Ziel der Publikation ist es, dieses öffentlich noch zu wenig beachtete Feld zivilgesellschaftlichen Engage- ments näher zu beleuchten und die Potentiale bürgerschaftlicher Bündnisar- beit aufzuzeigen. Was steckt hinter dem Engagement? Welche Ziele verfolgen die Akteurinnen und Akteure und was bedeutet ihre ehrenamtliche Arbeit für die Kommunen?

Um einen intensiven Einblick in die Arbeit der Bündnisse zu gewinnen und Informationen über die Bedingungen ihrer Gründung und die weitere Entwick- lung ihrer Arbeit zu erhalten, wurden im ersten Halbjahr 2012 elf Interviews mit beteiligten Bürgerinnen und Bürgern sowie Vertreterinnen und Vertretern der kommunalen Verwaltung geführt. Ergänzend dazu erfolgten zwei Exper- teninterviews mit Reinhard Koch vom Zentrum Demokratische Bildung (ZDB) Wolfsburg und der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt (ARUG) sowie mit Gerd Bücker vom Landespräventionsrat Niedersachsen. Aus den Gesprä- chen resultierten schließlich 160 Seiten Datenmaterial, die sich als ein sehr reicher Fundus an Erfahrungen, Ideen und Hilfestellungen, aber auch an sehr persönlichen Perspektiven, Überlegungen und Empfehlungen erwiesen.

Im Fokus der Broschüre stehen die subjektiven Betrachtungen der Befragten. Diese bilden die Grundlage für die Erarbeitung eines „Wegweisers“, in dem Hilfestellungen und Anregungen bereitgestellt werden, um zivilgesellschaftli- ches Engagement zu organisieren und die Akteurinnen und Akteure in den Re- gionen – und auch darüber hinaus – besser zu vernetzen. Die Broschüre möchte Wege aufzeigen, ohne dabei den Anspruch zu erheben, einen allgemeingülti- gen Ratgeber zur Verfügung zu stellen. Die Problemlagen und Bedingungen in den Regionen sind zu unterschiedlich, um Patentrezepte und einfache Lösun- gen liefern zu können. Es hat sich jedoch gezeigt, dass durch einen Austausch von Erfahrungen und Ideen wertvolle Unterstützungen geleistet werden können, die den Prozess der Gründung und Entwicklung von Bündnisarbeit erheblich erleichtern.

Die Broschüre erscheint 80 Jahre nach der sogenannten „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten. Das historische Datum verdeutlicht sehr eindringlich, wie hoch der Wert zivilgesellschaftlichen Engagements für Demokratie und gegen Rechtsextremismus zu bemessen ist. Auch heute ist der Handlungsbedarf groß. Mit der Wahl im Jahr 2011 konnten in Niedersachsen 21 Mandatsträger der extremen Rechten in politische Gremien einziehen. Ebenfalls existieren

6

weiterhin und auf zu hohem Niveau subkulturell geprägte und gewaltbereite rechtsextreme Gruppen, die Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung oder politischen Einstellung angreifen und damit Verletzungen herbeiführen und das Sicherheitsgefühl in der Gesellschaft negativ beein ussen. Zuletzt zeigen empirische Studien wiederholt, dass fremdenfeindliche, antisemitische und rassistische Einstellungen auch in der Mitte der Gesellschaft, bei der „Normalbevölkerung“ in teilweise bedenkli- chem Ausmaß zu nden sind. Dies alles verdeutlicht: Fremdenfeindlichkeit und Alltagsrassismus dürfen nicht als gesellschaftliche Randerscheinungen abgetan werden, sondern stellen ernsthafte Gefährdungen unserer Demokratie dar. Die Bürgerbündnisse leisten wertvolle Arbeit, indem sie sich auf demokratischem Weg mit den Mandatsträgern befassen und wichtige Zeichen für Demokratie, Vielfalt und Zivilcourage setzen.

Der besondere Dank gilt allen Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern, die ihren reichen Erfahrungsschatz und ihre Expertise in den intensiven Gesprä- chen zur Verfügung gestellt haben. Nur durch die offenen und differenzierten Darstellungen der Bündnisse und Experten wurde es möglich, ein ehrliches
Bild von Bündnisarbeit nachzuzeichnen und praxisnahe Empfehlungen für eine gelingende Bündnisarbeit zu formulieren.

Last not least möchten wir uns ganz herzlich bei der Autorin dieser Broschüre, Martina Ernst, bedanken. Durch ihre Interviews und Recherchen in den nieder- sächsischen Kommunen konnte das nun vorliegende Ergebnis realisiert werden und dient in Zukunft auch anderen Menschen in Deutschland, die sich auf den Weg zu einem erfolgreichen Bürgerbündnis begeben.